Draußen zieht der Nebel immer öfter um die Häuser, es wird zeitig dunkel und die ersten Lichterketten flackern schon in den Fenstern. Der November bringt eine besondere Stimmung mit sich: eine Mischung aus Rückzug und Vorfreude. Es schwebt die Einladung in der Luft, langsamer zu werden und innezuhalten.
Und doch bleibt zwischen vollen Terminkalendern, To-do-Listen, Wäschebergen und dem vorweihnachtlichen Trubel, der sich schon leise ankündigt, oft wenig Platz für eine der wertvollsten Verabredungen: die mit dir selbst.
Aber was bedeutet das eigentlich – „Zeit für mich“? Wie erkenne ich sie, wenn sie sich zeigt? Und was fange ich dann überhaupt mit ihr an?
Wie sich „Ich-Zeit“ anfühlen kann
Zeit für dich selbst ist kein zusätzlicher Punkt auf deiner Aufgabenliste. Es ist der Moment, in dem du dich selbst wieder hörst.
Oft greifen wir, wenn uns ein bisschen Zeit übrig bleibt, automatisch zum Handy, scrollen durch Social Media oder schauen die nächste Serie. Es ist bequem, es lenkt ab, und manchmal fühlt es sich auch einfach gut an. Und das ist total okay. Auch das kann „Zeit für mich“ sein. Aber manchmal, da bleibt nach dem Medienkonsum ein leerer Nachgeschmack – im Nachhinein gesehen, hättest du eigentlich etwas ganz anderes gebraucht.
Das kann ganz unterschiedlich aussehen:
Vielleicht ist es ein stiller Spaziergang im Nebel.
Vielleicht eine Tasse Tee aus deinem Lieblingshäferl, während der Wind draußen pfeift.
Vielleicht zehn Minuten unter der Decke, in denen du einfach atmest und nichts musst.
Oft verwechseln wir Ich-Zeit mit Rückzug von allem. Doch eigentlich ist es ein Hinwenden – zu dir selbst und manchmal sogar zu anderen. Es geht nicht darum, etwas besonders Sinnvolles, Kreatives oder Entspannendes zu tun. Sondern darum, wahrzunehmen, was du gerade brauchst – und dem Raum zu geben.
Gerade jetzt, wo sich das Leben mehr nach drinnen verlagert, kannst du diese Fragen liebevoll an dich stellen:
Was nährt mich?
Was lässt mich innerlich leise aufatmen?
Was schenkt mir Ruhe, ohne dass ich dafür „etwas leisten“ muss?
Es kann ein Lied sein, das dich berührt.
Ein Keks, den du ohne Eile genießt.
Ein Gedanke, dem du folgst, nur weil er schön ist.
Ein Buch, das du schon lange einmal lesen wolltest.
Echte „Ich-Zeit“ nährt uns nicht nur kurzfristig, sondern hinterlässt ein Gefühl von Ruhe, Zufriedenheit und oft auch Klarheit. Und das muss gar nichts Großes sein. Es geht nicht darum, jeden Moment produktiv zu nutzen. Es geht darum, bewusst zu spüren: Was tut mir jetzt gut?
Das tut mir gut!
Zeitlicher Rahmen: Etwa 20 Minuten (gerne auch kürzer oder länger, ganz nach Gefühl)
Ihr braucht:
Einen Moment der Ruhe an einem gemütlichen Ort
Offenheit, dich selbst ein kleines bisschen zu spüren
Und so geht’s:
- Mach es dir bequem. Vielleicht magst du dich in eine Decke kuscheln oder einfach einen ruhigen Platz finden.
- Schließe kurz die Augen. Atme tief ein… und aus. Lass deinen Atem ganz natürlich kommen und gehen.
- Frage dich:
Wie geht es mir gerade – wirklich?
Was wünsche ich mir in diesem Moment – ohne nachzudenken, ganz spontan?
Was wäre jetzt ein kleines Geschenk an mich selbst? - Tu es. Ganz bewusst, ganz liebevoll.
Das kann Stille sein. Ein Lieblingslied. Ein Duft. Eine Bewegung. Ein Lächeln.
Das kann aber auch Zeit mit jemand anderem sein. Eine Umarmung. Ein Gespräch. Ein Anruf. Eine Runde Würfelpoker.
Diese Übung ist keine Pflicht. Sie ist eine Einladung – dich selbst ernst zu nehmen.
Und wie kann’s weitergehen?
Vielleicht magst du in den nächsten Tagen ganz bewusst kleine Inseln schaffen:
– Momente, in denen du nur für dich da bist.
– Momente, in denen du einfach spürst: Ich bin da. Ich zähle.
Und wenn es mal nicht klappt? Dann sei milde mit dir. Auch das ist Selbstfürsorge.
Vielleicht ist es auch manchmal „Zeit mit anderen“, die dir besonders gut tut. Beides ist wichtig. Beides darf Raum bekommen. Und beides beginnt damit, ehrlich hinzuhören. Manchmal liegt die schönste Ich-Zeit mitten in einem gemeinsamen Moment. Und manchmal ist das größte Geschenk für alle, wenn du dir erlaubst, einmal kurz ganz bei dir selbst zu sein.
„Zeit für mich“ muss nichts Großes sein. Oft sind es die kleinen, stillen Augenblicke, in denen du dich selbst wieder findest. Und gerade jetzt – im goldgrauen November – ist möglicherweise genau der richtige Moment, dir dieses Geschenk zu machen.
Vielleicht backst du die ersten Kekse, spielst mit deiner Familie ein altes Spiel, oder machst einen Abend lang gar nichts – außer da sein. Was auch immer es ist: Es darf leicht sein. Und es darf dir guttun.